Bericht vom Künstler Kreis Kaleidoskop vom Montag,

dem 6. Mai 2013,im Wirtshaus am Hart, Theater Platz.   

Text: Uwe Kullnick  ( www.ukullnick.de )

Fotos: Blende1 Fotoclub e.V. München  (  www.blende1fotoclub.com )

 

 Guido Verstegen, Bernhard Ganter, Michi Marchner, Erik Müller, Christopher Armbruster, Csaba Gál,

 

Pünktlich um elf Minuten nach 20:00 Uhr begann unser Abend. Eine unterhaltsame, witzige, nachdenklich machende, gewagte, stürmische, musikalische, vom unnachahmlichen ungarischen Conferencier  und Leiter  Csaba Gál präsentierte Abend, dessen Ende nach immerhin mehr als 2 Stunden Unterhaltung für alle immer noch zu früh kam.

Aber ich fange genau so stürmisch an wie der Abend zu Ende ging. Also lieber langsam und dafür etwas ausführlicher. (Man hat mir keine Zeilenvorgabe gemacht, eine Seltenheit in dieser gehetzten Zeit und schon wieder eine auf die Veranstaltung übertragbare  Bemerkung.) Man hatte Zeit, sich auf die Künstler und ihre Geschichten, ihre Pläne, Träume, Texte und Musik einzulassen, wie es  normalerweise nur beim Film Noir zu finden ist.

Den Aufmacher, und Aufmacher sein ist immer schwer, machte Sigfried Unterhuber. Er warf das Publikum hinein in seine „Wuide[n] Geschichten“ und tatsächlich, es dauerte nicht lange, da waren wir auf einem Bauernhof, wo Uschi, der steilste Zahn der Hühnerschar, von allen bewundert wurde. Was soll man viel beschreiben?

Es ging hoch her, mit Betrachtungen, warum der Hof keinen Gickerl (Hahn) hatte, obwohl sich Uschi doch sicher nach einem verzehrte. Und wie es kam, dass ausgerechnet Pfiffkas sich irgendwie in Uschi verliebt hatte, obwohl er der Bauer und Uschi eben nur ein Huhn war, und was seine Kumpels, Stromboli, Hiatze und der Gustl dazu meinten. Zitat: „Was du brauchst, ist zu allererst ein Grundkurs in Sachen „Weiber.“

 

Sigfried Unterhuber

Wie es dann mit dem Pfiffkas weiter geht, muss der Zuhörer des ersten Kapitels sich  in den wuiden Geschichten schon selber anschauen. Wir erfuhren auch nicht mehr. Wer weiß, vielleicht wird es noch eine ganz besondere Ausgabe von „Bauer sucht Frau“. Spaß wird man sicherlich haben.

Schon schwang das Veranstaltungs-Pendel in die andere Richtung; hin zu MAGNUS. Zwei schwarze Brillen, eine Schlägermütze und eine geballte Ladung Musikalität begleiteten dieses musikalischen Duo, bestehend aus Christopher Armbruster,  bzw. Cooper (Verzeihung, er hat geheiratet und den Namen seines Ehegesponses angenommen, ein Running Gag des Abends) am Piano und Erik Müller mit seiner Gitarre. Sie überraschten mit bedeutungsschweren Songs wie „Gegen jegliche Vernunft“, einer Baummetapher von der Ziellosigkeit des Lebens oder mit „Ich bin nicht Dein Messias“ und anderen. Zarte Klavierklänge unterstrichen die Botschaften, die uns zum Nachdenken, Grübeln oder einfach zum Zuhören brachten. Eine Zugabe war selbstverständlich.

 

 

MAGNUS

 

Noch vor der Pause gab es dann wieder eine andere Seite des Kaleidoskops zu hören. Die Veranstaltung versteht sich auch als Nachwuchs-Bühne und so konnte der junge Wolfgang Hofer seine Kurzgeschichte „Hundsmatz“ vortragen. Mit Schwung schilderte er eine Beziehungsgeschichte, die von der Tyrannisierung eines ältlichen Mannes durch seine gegenwärtige Freundin, seine Ex-Geliebte und einen Hund handelte.

 Wolfgang Hofer

Eine Art artübergreifende Chaosgeschichte sozusagen, die mir wieder darin Recht gab, weder Exgeliebte noch Hunde in meinem Schlafzimmer zu dulden.
Sein Auftritt wurde durch ein ziemlich blutiges Metzgergedicht und amüsante, wortgewurstete Lyrik beendet. Das Publikum kann seinem nächsten Auftritt mit Interesse entgegenblicken.

Über die Pause sei nur gesagt, dass es draußen aufgehört hatte, zu regnen und die Raucher nicht nass wurden. Dann ging es mit Verve weiter.

 

Bernhard Ganter, Urgestein und Mitgründer des Kaleidoskops, stellte seinen Roman „Das Jahr der Rosen“ vor, die Geschichte, die von der Theaterproduktion „Lichtbühne“ (Producer Guido Verstegen) als Theaterstück bearbeitet wurde und demnächst in mehreren Theatern in München aufgeführt wird. 

Csaba Gál, Guido Verstegen, Bernhard Ganter

 

Der Schauspieler Guido Verstegen hat Bernhard Ganters  Roman „Das Jahr der Rosen“ für die Theaterbühne  bearbeitet. Schauspieler: Guido Verstegen - Regie: Max Sachsse - Technik und Musik:  Franz Acs - Das üble Thema Vergewaltigung, geschildert aus dem Gefühlsleben des Ehemannes des Opfers heraus, nimmt den Leser des Romans, und bald auch den Besucher der LICHTBÜHNE, mit in seine Tiefen und Abgründe. Hass, beschädigter Stolz, Kränkung und der Wunsch, den Täter zu töten, treiben den Ehemann durch das Geschehen des Romans. Er,  das „Mitopfer“ der Vergewaltigung und Beschämung, lässt schon im Prolog, den Bernhard Ganter las, kunstvoll Stammtischstimmen zu Wort kommen und ahnen, wie es im Roman weiter gehen wird. 

 

Bernhard Ganter

 Die Aufführungen sind wann?
Vom 15. Mai bis zum 11. Juni, in der LICHTBÜHNE, München, http://www.lichtbühne.de

Zitat LICHTBÜHNE: „Für Florian war seine heile Welt immer das Wichtigste im Leben. Plötzlich tut sich ein stockfinsteres Loch auf – jeder weitere Schritt bedeutet weiteres Verirren. Einzige Orientierung bleibt sein über alles geliebter Rosengarten. In sich selbst gefangen, ferngesteuert und doch voller Hochmut versucht er das Unmögliche: Zu töten, ohne zum Mörder zu werden.“

Kommen wir zum Schluss der Veranstaltung - oder zum Höhepunkt - oder doch lieber zum furiosen Ende des Abends.
Wer war’s?
Michi Marchner. Liedermacher.
Drei Worte und dabei soviel Musikalität, Stimmung, Wortwitz und Unterhaltung im besten Sinne des Wortes. Die Leute gingen mit, sangen mit, lachten mit und waren quasi ganz aus dem Häuschen. Michi traf den Nerv des Publikums und sorgte für Blues im Parkett, für Rock an den Tischen, selbst die überall herumwuselnden Fotografen knipsten im Takt.

 

Michi Marchner

 
Seine amüsanten und witzigen Songs, temperamentvoll und gut gelaunt vorgetragen (er kam direkt von einer anderen Veranstaltung in der Lindwurmstrasse) schickten alle Anwesenden humortechnisch auf die Matte. Eine komödiantische Tour d'Horizon durch die Songs der zu früh, mit 27 Jahren verstorbenen Rocklegenden des sog. „Club 27“ zuzüglich der  zarten Andeutung einer zerstörten Gitarre (wie dazumal bei Hendrix & Co.) ausgelöst durch ein versehentlich gezogenes  Verstärkerkabels am Ende dieser Nummer. Das ging nahtlos in einen wunderbaren Herzschlag synchronisierenden Blues, den Sonnenbrand Blues, über.  Zugaben und ein tobender Applaus beendeten Michis Auftritt und den Abend.     

Ganz zum Schluss meines Berichts, obwohl es eigentlich an seinen Anfang  gehört hätte - aber dieser Teil kommt auch im Leben immer am Schluss und deshalb wird man mir vielleicht die Verletzung der chronologischen Reihenfolge verzeihen - kommt nun die Erinnerung an die im April verstorbene und vielen Anwesenden gut bekannte Johanna Wolff von Schutter. Sie gehörte dem Ensemble der "Prima-Tonnen" an und war weit über Bayern hinaus als Textdichterin, Regisseurin und Multitalent bekannt und beliebt. Wer sie kannte und erleben durfte, wird ihre volle, ausgebildete Stimme, ihren deftigen Witz und ihren herzhaft bissigen Spott nicht vergessen. Der ganze Saal war einen Augenblick in Gedanken bei Johanna, um dann ihr ganz eigenes Motto umzusetzen: The Show must go on.  Und diesmal begann so unser Kaleidoskop Abend.

 

 

 

 

 

 

 

 

Uwe Kullnick: www.ukullnick.de


  

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