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So war´s 

am 08.11.2010

 die Künstler des Abends

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Thom  Delißen, Katja Mutschelknaus, Uhla Halbe, Marianne Hölzl, Pia Richter-Haaser, 

 Heini Almstädter, Csaba Gál,

Leila Gudlin, Robert Nehammer, Tatjana Kerschbaumer.

 

Text: Xaver Dittmeyer

Foto: Inge Fuchs

 

 

Robert Nehammer

Den Anfang macht wie immer der Grand-Seigneur des Künstlerkreises, Robert Nehammer, mit seinem Klavierspiel.

 

Pia Richter Haaser, Csaba Gal

Nach einer kurzen Anmoderation von Pia Richter-Haaser, die an diesem Abend zusammen mit Csaba Gal moderierte, als hätte sie nie etwas anderes getan, stellt der Autor und Verleger Thom Delißen sein neues Buch „Question Authority“ vor.

 

Thom Delißen

Ein wenig Lyrik über die treibende Kraft im Menschen, die „Gier“. Zwei bewegende Kurzgeschichten trägt der Autor dann ausdrucksstark vor.

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In „Blumen für Abessinien“ geht es um „Landgrabbing“. Erzählt wird das Schicksal einer äthiopischen Familie, deren Stückchen Land, dass sie zum Überleben benötigt, von der Regierung konfisziert und an einen indischen Konzern verpachtet wird. Von dem Gewinn jedoch sehen die Einheimischen nichts. Sie verhungern und verdursten.
Der zweite Text „Question Authority“ erzählt von einem wunderbaren Lied, welches die Menschen in einer fiktiven Diktatur zusammenführt, sie eint und so letztlich den Despoten in den Selbstmord treibt.
Das Büchlein mit über fünfzig Kurzgeschichten ist bei jedem Buchhändler zu bestellen oder aber bei Amazon oder Libri oder beim Autoren zu bekommen.

Tatjana Kerschbaumer

Als Nächstes kommt die junge Studentin Tatjana Kerschbaumer auf die Bühne.
„Ich lasse an Nichts ein gutes Haar!“, beschreibt sie sich selbst. „Pessimismus schmeckt grandios!“
Ihre Texte spiegeln die Gesellschaft wieder. Der „Einheitsmarsch auf Einheitsreise“ in der U-Bahn, „bloß nicht in der Ecke landen!“.
„Guten Morgen Deutschland“ – Tatjana Kerschbaumer beleuchtet die morgendliche Stadt. Frühschicht, Punker, Banker, Alkis. Ein eindrucksvolles aber trübes Bild.
„Cote d’ázur“. „Der Lavendel schneit, die Stadt erhitzt, vergessen vor dieser Kulisse das Nichts. Wer kennt das Spiel der Zeit?“
In etwas persönlicheren Texten denkt sie wehmütig an vergangene Liebe, lässt philosophisch eine Flasche Tränen weinen. Eindrucksvolle, sehr bildhafte Texte, die ein wenig wehtun. Und das sollen sie auch! Ein toller, selbstbewusster Auftritt mit erfrischenden Texten. Weiter so!

 

Csaba Gál,
Csaba Gál kommt zusammen mit der nächsten Autorin, der weit gereisten Uhla Halbe auf die Bühne. Csaba singt das Lied „Eine gute Fee“, eines seiner Lieblingslieder, wie er bemerkt. Es handelt von einer guten Fee, die jemandem drei Wünsche freistellt, der sie aber nicht benützt, denn „Was kann nun noch groß geschehen, wenn’s schief geht, habe ich drei Wünsche frei!“ Wie immer schafft Csaba es spielend, den Saal zum Mitsingen des Refrains zu animieren, man fragt sich unwillkürlich, wo die Feuerzeuge und Sternwerfer bleiben.

Uhla Halbe

Uhla Halbe erzählt dann in teils gereimten, teils ungereimten Texten feinfühlig über Dinge, Geschehnisse, „die man nicht fotografieren kann“. Venedig taucht vor unseren Augen auf, die Gondeln, Kanäle, Paläste – doch auch der genervte Ehemann. Zu dem war sie dann am „Abend überhaupt nicht nett – jeder schlief in seinem eignen Bett.“ Sie erzählt über tunesische „Ladykiller“, philosophiert über die „Kleine Palme in Marokko“ die sich „verwandelt in das Ende einer Geschichte.“ Die Zuhörer besuchen eine verfallene, morbide anmutende Villa in der Toskana, treffen in dem Text „Kenia“ einen Löwen hautnah.
Texte und Zeilen, die bildhaft sind und bei dem einen oder anderen Erinnerungen herauf beschwören, excellent vorgetragen von einer scharfen Beobachterin. Uhla Halbe endet mit ein paar Zeilen, in denen sie den schönen Männern nachtrauert, die sich an das eigene Geschlecht vergeben. „Mann zu Frau – das war die Norm.“

Katja Mutschelknaus, Leila Gudlin

Vor veränderter Kulisse stellt nun Katja Mutschelknaus ihr Buch „Frauen mit Geschmack“ vor.

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Routiniert parliert die Journalistin über die Kulturgeschichte des Speisens, sie malt ein Sittengemälde der Wiener Kochkunst, erzählt humorvoll von den böhmischen Köchinnen und deren Bedeutung, von „kaiserlich königlichen Serviettenknödeln“. Anschaulich erklärt sie die Entstehung der guten Küche Wiens, in der die Köchinnen, die aus der Provinz, also aus Böhmen, Mähren mit der neu entsehenden Eisenbahn nach Wien gelangen, eine ausserordentliche Rolle spielen.
Leila Gudlin an der klassischen Gitarre spielt in hervorragender Manier in eine kleine Lesepause. Man meint tatsächlich, ein wenig die Donau rauschen zu hören.
Weiter geht es in dem Bericht über Zwetschgenknödel und Wiener Essgewohnheiten. Wir erfahren, dass die drei Kaiserbäder, Heilquellen in Österreich, für den internationalen Siegeszug der Wiener Küche verantwortlich sind. Locker und leicht erzählt Frau Mutschelknaus von der mondänen Gesellschaft, den historischen Hintergründen. Barockes, flottes Gitarrenspiel von Leila Gudlin füllt erneut eine kleine Pause. Der Serviettenknödel ist eine englische Erfindung, eröffnet Katja Mutschelknaus uns letztlich und wir wissen „die Wiener Küche ist so berühmt wie der Wiener Walzer“.

 

Heini Almstädter, Marianne Hölzl
Auf die Bühne tritt nun Heini Almstädter, der uns einen Monolog von Karl Valentin vorträgt. Es geht um eine Flugschau auf dem ersten Flughafen Münchens, der in Puchheim seinen Standort hatte, und den Versuch Valentins zu fliegen, abzuheben.
Wie ein Vogerl möchte er fliegen – doch „mit Fliegen ist nichts, es hat nicht sollen sein.“ Erneut versucht er es. „gehen brauchts nicht, wenn’s nur fliegen tät!“

Ein Lied „“So jetzt wird ich mich verduften!“ schließt den ersten Teil.
Der Valentinsketch „Im Hutladen“ folgt. Dazu holt Almstädter Marianne Hölzl vom Seniorentheater „Die Spätzünder“ mit auf die Bühne. In einem originellen Dialog kann sich ein Herr nicht für einen Hut entscheiden. Strohhüte sind ihm feuergefährlich, die Verkäuferin genervt: „Ich werde Ihnen mehrere zeigen!“ „Aber ich brauch doch bloß einen!“
Zuletzt jedoch findet er eine Seemannsschirmmütze, die ihm gefällt. Anlass für ihn in Hans Albers-Manier „La Paloma“ zu schmettern.

Ein interessanter und erheiternder Abend geht zu Ende, doch es dauert noch lange, bis sich alle Besucher verabschiedet haben.