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So war´s im Februar 2011 

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Helmut Hopper, Pia Richter-Haaser, Erika Niederle, Helmut Bloid, Inge Stralendorff,

Martin Mittermaier, Anna Banfhile, Herbert Hollitzer, Robert Nehammer, Doris Benz,

Csaba Gál, Thom Delißen, 

Nachdem der Leiter des Künstlerkreises Kaleidoskop, Csaba Gál, charmant und beschwingt wie immer, die Gäste begrüßt hat, kommt der Erdinger Autor Thom Delißen auf die Bühne. Auch er begrüßt das Publikum. Dann trägt er, dem Text entsprechend, mit getragenen Worten, seine Schrift „Ode an das Meer“ vor. Beifall belohnt ihn für seine Darbietung, die einmal aus einem anderen Genre kommt.

 

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Robert Nehammer setzt sich ans Klavier und intoniert Klassiker aus den Fünfzigern, die jeder kennt.

Dann ist die Plattform frei für drei Künstler, zwei Männer eine Frau, der „Pasinger Bühne“. Mit zwei Sketchen treten Inge Schneider, Martin Neumeier und Herbert Hollitzer an.

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Im ersten Stück geht es um einen Kartenleger, der eine ungewöhnliche Geschichte zu erzählen hat. Heiter und gut artikuliert präsentieren die Drei die Suche einer Dame mittleren Alters nach einem Mann. Den Richtigen natürlich. Nicht rauchen dürfe er, nicht saufen, nie widersprechen, sie lieben, verwöhnen, alles zahlen und dabei immer den Mund halten. Der Kartenleger empfiehlt ihr, nicht ohne Sarkasmus, es in einem Blindenheim zu versuchen.

Schließlich werden ihr die Karten gelegt. Der Wahrsager sieht eine Softi-Rot-Kreuz-Gruppe in Pasing am Freitag den Dreizehnten. Der gewünschte Mann wäre dann der, der nicht davonlaufe. Die Frau ist begeistert. Vier Wochen später. Die Dame kommt erneut. In ihrem Schlepptau ein devoter Mann. Er ist offensichtlich vollkommen begeistert von seiner Eroberung, versucht ihr alles recht zu machen, liest ihr jeden Wunsch von den Augen ab. Wir erfahren, dass er tatsächlich der Einzige in der Softi-Rot-Kreuz-Gruppe gewesen wäre, der nicht davongelaufen ist. Der Grund allerdings: Er hätte einen Hexenschuss gehabt. Doch die Angebetete hätte ihm nun die Augen geöffnet. Begeistert zählt er auf, was er früher alles immer unternommen hätte: Trinken, rauchen, mit Freunden Karteln, Fußballsehen. Doch nun sei er geläutert. Das wahre Leben sei doch das mit einer Frau. Auch würden sie bald in Urlaub fahren. Am Besten an einen Strand, an dem es Haifische gibt.

Mit dem zweiten Sketch ziehen die Drei über die Kreditvergabe der Banken her, prangern die Methoden und Absichten der Sachbearbeiter an. „Der ist doch noch jung, Anfang vierzig. Den können wir noch melken!“ Deutliche Kritik an den Immobiliengeschäften der Institute, nicht nur in Deutschland.

„Wenn man den Ballon steigen lassen will, muss man Ballast abwerfen!“ Fröhliche Reimerei und Gesellschaftskritik wechseln sich ab.

Pia Richter-Haaser, die an diesem Abend auch moderiert, sagt den nächsten Künstler,  Helmut Hopper an. Er erklärt zu Beginn seine geistige Verbundenheit mit dem Gründer des Kaleidoskop, Werner Schlierf. Sein Werk eine Hommage an den verstorbenen Dichter. Auch Helmut Hopper wartet mit einer Menge an Gesellschaftskritik auf.

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So lässt er sich über die Versandhauskataloge aus, die mit schöner Regelmäßigkeit zu den Jahreswechseln in seinem Briefkasten landen würden. „Jahraus, jahrei – deckans uns mit Werbung ei …“

Nachdenklich wird es bei dem Gedicht „A oida Baam“. Ein Baum muss einem Einkaufszentrum weichen. Eine deutliche Anspielung auf Stuttgart 21, könnte man meinen. „Heid nemansen in’d Zanga, scho ligt er do, der arme Baum …“
Er schwadroniert über die Kirche: De stinkt oan o. Im Ettaler Kloster sans im Dregg vasunga. Gott, huif die Strolch in Ketten legen …“ “Da Mensch is so dumm, draht ois um, hod as Geld zum Herrgott gmacht …“
Auch die dritte Welt ist sein Thema. In dem eindringlichen Text „A Stückal Brot“ findet er ein Stückchen Brot im Dreck, sinniert über die Wegwerfgesellschaft, über die Bedeutung eines Stückchen Brotes für die, die Hungers sterben müssen. Und er, er hätte ein Stück Brot gefunden, im Dreck.

 

Frau Richter-Hasser kündigt die nächste Autorin an. Frau Anna Banfhile, die nicht nur literarisch tätig ist, sondern auch malt und Schmuck aus Silber und Edelsteinen fertigt, trägt die wahre Geschichte „Muckenpulver im Grießbrei“ vor.

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Ein wenig mit Nürnberger Dialekt erzählt sie die Story der Frau eines Zuckersieders, deren Liebhaber zu einer Hexe geht, um sich dort Ratschläge zu holen, wie er ihren Mann umbringen könne. So versucht die Hexe, als Gegenleistung für drei Gulden, den Mann zu verhexen, auf das er stürbe. Erfolglos. Nach drei Unfällen lebt der Mann zwei Wochen später immer noch.

Nun gibt sie ihm den Rat, Muckenpulver unter den Grießbrei zu mischen, den der Mann zum Frühstück isst.

Schließlich segnet der Ehemann endlich doch das Zeitige, der Liebhaber und die untreue Gattin landen auf dem Scheiterhaufen, nachdem sie unter Folter die Tat gestanden haben.

 

Als Nächstes steht eine Buchpräsentation an.  Helmut Bloid und Erika Nieberle haben das Werk „Oktopus und Haselnuss“ verfasst.

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Csaba Gál an der klassischen Gitarre und Doris Benz als Sängerin. Lyrik und Prosa enthält das Buch, so erfahren die Gäste, Aphorismen, Epigramme und sechzehn Bilder von Frau Nieberle, die sogar im Haus der Kunst ausstellt.

Auch diese Texte kritisch, manchmal nachdenklich, sarkastisch und zynisch, doch auch durchaus mit viel Humor und einem bayrischen Zwinkern. Die Zuhöerer sind sich einig: Ein hervorragendes Buch mit Tiefgang haben Helmut Bloid und Erika Nieberle da vorgelegt. In den Lesepausen der beiden singt Doris Benz mit ihrem tollen Sopran traditionsreiche Lieder, begleitet von Csaba Gál, der mit einrucksvoller Spieltechnik an der Gitarre brilliert. „Die Gedanken sind frei“, Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, und zum Ende, der ganze Saal singt mit: „Die süßesten Früchte …“

Ein fröhlicher Abend mit nachdenklichen Phasen geht viel zu früh zu Ende. Lange noch sitzen die Gäste und unterhalten sich angeregt über die Künstler.

 
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