Kaleidoskop am 5.März 2012

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IMG 1728_1 Auch wenn sich an diesem Märzabend die Gärten am Hart noch grau in grau zeigten, eine Ahnung vom Frühling lag in der Luft. Deshalb hatte uns Csaba Gál  wohl auch ein Programm über die Liebe versprochen:

 

Mit winterlichen Bedenken machte sich der Liedermacher Boris Ruge an das Thema heran – an das Nachthemd, sollte ich treffender sagen, an ein Nachthemd, das er schließlich in tausend Stücke zerriss. Junge, Junge! Zwei hätten es eigentlich auch gemacht. Aber so einfach sieht er das mit der Liebe nicht: Schließlich kommen da Frauen, um einen zu holen, damit man Busfahrer oder Buchhalter wird. Zwar haben sie unseren wackeren Sänger bisher verschont: Er will einfach nicht Busfahrer werden. Das spüren die Frauen. Vielleicht ahnen sie auch, dass es die Liebe ja gar nicht ist, die ihn treibt, sondern dass es sein Traum von der Liebe ist, der ihn schnurstracks durch die Wand gehen lässt (an allen Frauen und Busfahrern vorbei) in die Wüsten hinaus, wo vielleicht noch irgendwo eine Kaktusblüte zu finden ist.

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Auch bei dem Autor Conrad Cortin wird manchmal von der Liebe geträumt: Bis nach Indien fährt ein Mädchen aus Bayern – auf der Suche nach einem Prinzen. Doch wie immer, weiß Conrad seine selbst geschaffenen Situationen mit einer einzigen lapidaren Bemerkung zum Platzen zu bringen. So rasant allerdings wie in seinem neuesten Buch „Salto wortale“, hat er die Kurven bisher nur selten genommen. Der Applaus war ihm sicher, und viele von uns haben Tränen gelacht.

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Jetzt geht’s euch an die Wurst – vielleicht auch ans Würstchen!“, kündigten Barbara Weinzierl und Ute Bronder ihren Beitrag über die Liebe an, in dem sie sich auf Macht und Ohnmacht, Körperliches und Technisches in der Liebe verlegten. Sie gingen ihre Vorstellung recht temperamentvoll an –, aber der freche Witz ließ sich dann doch nicht bis über die Pause hinweg halten.

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Macht nichts, denn nun besang Heini Almstätter – mal wurschtig, mal kleinlaut und dann wieder trotzig – mit seinem Geburtstagslied „Siebzig Joahr“ seine Liebe zum Leben und erinnerte uns mit seinem Auftritt daran, dass Altwerden nichts für Feiglinge ist.

 

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„… man kann nicht alles ignorieren.“ – Könnte es sein, dass das Auftauchen junger DichterInnen von der Art Tatjana Kerschbaumers das Ende unserer vierzigjährigen kulturellen Wüstenwanderung ankündet?  Die sensibel reflektierende, sachlich analysierende und ungewöhnlich gut formulierende junge Lyrikerin trat nun schon zum zweiten Mal im Kaleidoskop auf. Ein Hoffnungsschimmer zur Frühlingszeit. Dementsprechend fiel auch der Applaus aus. Konnte es für Csaba Gál mit diesem Abend eine günstigere Gelegenheit geben, ihre Nominierung für unseren diesjährigen Kaleidoskop-Preis bekannt zu geben?

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Beschlossen wurde der Abend vom Duo Balkanfolk: Alexandra Aktas (Akkordeon) und István Gallus (Geige) – heiter, zärtlich und auch wehmütig verhalten, aber immer mit starker Lebendigkeit.

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Text:Angela Bauer

Foto : Bertl Jost - Werner Kienast - www.blende1fotoclub.com.

 
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